| Die Strömung im Wadukanal (Malediven) ist an diesem Oktobermorgen
erstaunlich gering. Ich pirsche mich gerade an einen schönen Juwelenbarsch heran, um ihn
zu fotografieren. Aus den Augenwinkeln sehe ich tief unter mir eine schlängelnde Bewegung, die mich an eine frei schwimmende Muräne erinnert. Ich gebe meinem Partner ein Zeichen, und wir tauchen hinab. Dort in ca. 30 m Tiefe erkennen wir, dass die schlängelnde Bewegung vom
Flossensaum eines Stechrochens herrührt, der aufgeregt kleine Kreise über dem relativ
kahlen Felsgrund zieht. Der kleine Rochen, vermutlich das Männchen, umkreist seine Partnerin unablässig, lässt sich manchmal für einen Augenblick auf ihr niedersinken, um aber sofort wieder sein rastloses Kreisen aufzunehmen. Weil das Männchen derart aufgeregt ist, geben wir acht, ihm nicht zu nahe zu kommen. Denn wie der Name der Rochen sagt, tragen sie auf dem Schwanz einen beidseitig gesägten Giftstachel, einige Arten sind sogar mit drei bis vier Stacheln ausgerüstet. Das Gift hat eine lähmende Wirkung auf den Herzmuskel und schädigt außerdem das Nervensystem, die Nieren und die Atmung. Es besteht hauptsächlich aus Eiweißverbindungen, d.h. man kann das Gift durch Hitze denaturisieren, also unwirksam machen. Wir beobachten das Spiel der Rochen ca. eine viertel Stunde |
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| lang, dann geht unsere Nullzeit zur Neige und wir müssen nach
oben. Wir sind beide der Meinung, die Paarung zweier Rochen beobachtet zu haben. Am nächsten Tag tauchen wir wieder an der gleichen Stelle, um nach Rocheneiern zu suchen, allerdings ohne Erfolg. Es wäre auch erstaunlich, wenn wir welche gefunden hätten, denn wir erfahren später,
dass alle Rochen der Familie Dasytidae lebendgebärend sind. 6 bis 10 Wochen werden die
Eier im Körper des Weibchens ausgebrütet, die Jungen werden bis zur Geburt durch ein
spezielles Zellgewebe der Eileiter des Muttertieres ernährt. B. Rothmann |
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erschienen im Sporttaucher, 5/90, Seite 37
Copyright: berodiver V 2.2, zuletzt geändert am 10.5.05